063 Haus-Triathlon

In der dem Mehrfamilienhaus und in der Nachbarschaft, in der wir in meiner Kindheit wohnten, gab es viele Kinder. Wir trafen uns fast jeden Tag im Garten und spielten Fangen oder Verstecken. Die besten Verstecke gab es im Keller. Aber da mussten wir sehr mutig sein. Denn der Keller war dunkel und da spukte es.Wenn wir uns aber nicht fingen oder suchten, dann betätigten wir uns sportlich.Am besten funktionierte es, wenn unser Hausmeister Sepp den Rasen gemäht hatte. Denn er türmte den Grasschnitt immer zu einem großen Hügel auf. Und dann konnte der Haus-Triathlon beginnen.

Disziplin 1: Gras-Weit- und Hochsprung.
Der Kontestant startet mit einem Anlauf von zehn bis zwanzig Meter und springt ab einer Boden-Markierung mit schwang in/über die Grasaufhäufung. Der Teilnehmer, der am weitesten kam hat gewonnen.

Nach jedem Sprung mussten wir den Hügel wieder bereiten, da das Gras sehr verteilt wurde. Das passte dem Sepp eigentlich garnicht. Aber da bemühten wir uns sehr.

Wenn die erste Disziplin vorbei war, war es Zeit für den zweiten Teil des Haus-Marathons.

Disziplin 2: Hauswand-Tennis.
Zwei Kontrahenten stellen sich einem Wettkampf im Softball-Tennis gegen die Hauswand am Autoparkplatz, vielleicht vergleichbar mit Squash, nur ohne Seitenwände. Das Erreichen einer vordefinierten Punktezahl sichert den Sieg. Das Verpassen eines Schlages, das Treffen des Kellerabgangs oder das Vorbeischiessen an der Hauswand führt zum Aufschlagwechsel. Bei mehreren Teilnehmern wird nach Turnierbaum gespielt.

Kennt ihr noch die globigen schwarzen Kunststoffschläger mit dem schwarzen Kunststoffgitter und den gelben Schaumstoffbällen? Das war das Sportgerät der Wahl. Heute wundert es mich, dass sich da nie die Nachbarn beschwert haben, wenn wir stundenlang den Ball gegen deren Wände (und Fenster!) gedroschen haben.

Wenn der Tennis-Turnier-Sieger ermittelt wurde, ging es zum letzten Teil des Dreikampfs. Wohl zum härtesten Teil. Zum Rundenlauf.

Disziplin 3: Rundenlauf.
Alle Teilnehmer starten an der Haustüre und laufen im Uhrzeigersinn um das Haus. Eine definierte Rundenzahl wird vorher vereinbahrt. Wer nicht mehr kann oder will, scheidet aus. Gewonnen hat der, der als letztes läuft oder als erster die definierte Rundenzahl erreicht.
Rennstrecke: Haustüre/Treppenaufgang – Ecke 1 – Mülltonnenkästen – Ecke 2 – Garteneingang und Regentonne (zur Erfrischung) – Balkon 1 – Balkon 2 – Balkon 3 – Ecke 3 – Parkplatz und Kellerabgang – Ecke 4 – Haustüre/Treppenaufgang.

Ich weiss natürlich nicht mehr die Abmessungen des Hauses, aber ich schätze mal: Lange Seite 30 Meter x kurze Seite 10 Meter. Das wäre nach Adam Riese 80 Meter.
Rundenzahlen waren je nach Tageszeit 20, 30, 40 oder 50 Runden. Wir dürften ja nach dem Sonnenuntergang nicht mehr allzulang unterwegs sein. In meiner Erinnerung ging mein Bruder mal die 100 Runden an und stellte somit den Weltrekord im Rundenlauf auf. Das waren dann 8 Kilometer.

Gegen meinen Bruder habe ich wohl nie gewonnen, zumindest nicht im Laufen.

Es war sportlich. Es war wahnsinnig. Aber cool und spaßig war es trotzdem.

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