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006 Die Musikkassette

Mal eben wieder darüber gestolpert und einen Flashback gehabt 🤣😂🤣

Es begab sich zu einer Zeit, dass ich mich im Italienurlaub als Teenager in ein tolles Mädchen verliebte. Und die mochte BROS und deren Musik und ja, es ist lange her.

Nach dem Urlaub hatten wir noch weiteren Kontakt und führten so etwas wie eine Fernbeziehung. Briefe schreiben und so. WhatsApp war ja noch nicht erfunden und Telefonieren mit dem Schwarm noch teuer.

Beim nächsten Verwandtenbesuch in Österreich entdeckte ich, dass mein Cousin Schorsch eine offizielle Musikkassette, eine damals sogenannte MC, von BROS hatte, das kleine schlechte Pendant zur LP – die älteren Semester werden die Dinger noch kennen, CDs waren da noch nicht so verbreitet. Und weil ich meinem Schwarm auch in musikalischer Hinsicht Nahe sein wollte, bekniete ich meinen Cousin, dass er mir die doch schenken könne/solle/müsse, meines Herzens wegen. Irgendwie sträubte sich Schorsch, und das fand ich damals sehr egoistisch, bis meine Tante ein Machtwort sprach und Schorsch seine Musikkassette los war.

Von da an dudelte bei mir im Player oder im Walkman nur noch BROS.

Die wurden aber schon paar Wochen später wieder uninteressant, als der Kontakt zu meinem Schwarm abbrach. Fernbeziehung im Teenageralter ist schwierig und das in den 80ern. Vielleicht war ich auch nicht „famous“ genug.

Auf jeden Fall tut es mir heute, nach 30 Jahren, unendlich Leid, dass ich meinen lieben Cousin dazu nötige, mir seine vielleicht liebste MC abzutreten.

Lieber Cousin Schorsch, falls du das liest, es tut mir sehr leid für das, was ich dir damals angetan habe.
Ich bin jetzt im Internet und auf ebay auf der Suche nach dieser Musikkassette. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, denn es ist mir ein inneres Bedürfnis. Sobald ich sie finde, bekommst du sie postwendend zurück. Grüße alle in Österreich.

005 Duolingo – eine App-Sprachschule

Die Protagonisten sind immer Adam und Sophia.

Adam und Sophia sind verheiratet.
Adam und Sophia sind Geschwister.
Adam ist der Vater von Sophia.
Sophia ist die Mutter von Adam.
Ausserdem sind sie auch noch Cousins.
Adam und Sophia sind Arbeitskollegen
… und Adam Sophias Chef.
Und Adam und Sophia sind beste Freunde.

Das lässt einen doch etwas ratlos zurück.

Falls sich jedoch im nächsten Kapitel herausstellen sollte, dass Adam und Sophia in einem in der Vergangenheit hängen gebliebenen Bergdorf, weit ab von jeglicher Zivilisation, leben, würde das so manches erklären.

UPDATE:

Collegas… um bei der Wahrheit zu bleiben, meine Tochter arbeitet sich in Esperanto ein und erzählte mir von Adam und Sofia…

Doch heute 😱😱😱

Krasser Plottwist: Sophia ist ein HUND

004 UFO

Haltet mich für einen Spinner oder glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ich schon mal ein UFO gesehen habe.

Nein, ich bin nicht entführt und mit mir sind auch keine extraterrestrischen Versuche gemacht worden.

Nun, in erster Linie ist an einer Sichtung nichts Sonderbares, ist ein UFO per Definition erstmal ein „Unidentifiziertes Flugobjekt“. Und genau das war es für mich.

Vor circa 25 Jahren, genaues Datum und Uhrzeit kann ich nicht mehr erinnern, trug sich folgendes zu.

Ich machte mich fertig, um mich mit Freunden zu treffen und auf die „Piste“ zu gehen. Das war das, was wir jedes Wochenende machten. Wir suchten eine Bar auf, um uns in Stimmung zu bringen und danach fuhren wir in eine Diskothek, um uns den Stress der Woche aus den Gliedern zu tanzen.

Wie gesagt, wann das war, weiß ich nicht mehr. Ich schätze im Frühsommer, Mai 1994 rum, weil es nicht so warm war und schon dunkel. Es mag wohl so gegen Acht oder Neun Uhr gewesen sein. So habe ich es im Gedächtnis.

Ich stand auf der Terrasse meines Elternhauses und rauchte eine Zigarette. Ich sah dabei in den Himmel. Es war sternenklar und es gab viel zu sehen. Den großen Wagen und Orions Gürtel erkannte ich auf Anhieb und so stand ich da und blies grauweiße Rauchwolken in den Himmel. Zwischen den Sternen nahm ich ein Lichtpunkt wahr, schenkte ihm aber kaum Aufmerksamkeit, bewegte er sich doch in der Geschwindigkeit eines Flugzeuges von Richtung Westen her. Eigentlich keiner Rede wert, außer vielleicht, dass dieser Lichtpunkt geringfügig größer als ein blinkendes Flugzeug war und orange leuchtete. Interessant wurde er aber in dem Moment, in dem er abrupt stehen blieb. Mitten in seiner lautlosen, geradlinigen Bewegung stoppte das Licht und verharrte an einer Stelle.

Mein Vater trat an meine Seite und fragte: „Hast du das eben auch gesehen?“ Er putzte seine Fußballschuhe im Garten und hatte wohl zufällig die gleiche Beobachtung gemacht.

Beide starrten wir auf das orange Licht. Irgendwann wandte sich mein Vater ab und verräumte seine gesäuberten Schuhe. Gefühlte 15 Minuten und zwei Zigaretten später setzte sich der Lichtpunkt wieder in Bewegung. Mit einem Tempo, dass ich keinem Fluggerät zuordnen konnte, düste das Objekt in Richtung Nordwesten weg. Was war das?

Kam lautlos, blieb längere Zeit an einer Stelle stehen und entfernte sich wieder in einem Affenzahn weg? Ich blickte dem Licht noch so lange nach, bis es aus meinem Sichtfeld verschwand. Als ich meinem Vater von dem schnellen Verschwinden erzählte, sah er mich ungläubig an, aber ich merkte es ihm an, dass er sich ärgerte, nicht so lange abgewartet zu haben.

In meinem Freundeskreis erzählte ich nichts. Von UFO-Sehern hält man im Allgemeinen nicht so viel und erklärt sie für verrückt.

Mein Vater erzählte aber wohl am nächsten Tag einem guten Freund im Ort von meiner Beobachtung und dieser Freund hatte den Lichtpunkt ebenso beobachtet.

Alle Erklärungsversuche in Folge scheiterten. Ich bzw. wir konnten aus dem UFO kein IFO machen, ein Identifiziertes Flugobjekt.

Ein Flugzeug kann nicht abrupt stehenbleiben, einen Hubschrauber hätte man gehört und der stünde auch keine 15 Minuten auf einer Stelle. Ein Ballon oder etwaiges würde die Richtung nicht so ändern und sich auch nicht so schnell entfernen. Die Höhe, in der dieses Licht am Himmel stand, war ganz schwierig einzuschätzen. Was war es nun?

Tagelang durchforstete ich Teletext und Zeitungen nach dem Phänomen, aber niemand schrieb über die Sichtung.

Ab und zu erzählen mein Vater und ich noch von dem Abend, als wir das orange Licht sahen.

Wir wissen nicht, was genau wir da sahen. Es bleibt ein UFO, ein Unidentifiziertes Flugobjekt.

003 Der Wal

„Leinen loooooos!“

Von weiter Ferne konnte der alte Pottwal rufende Stimmen erahnen. Er nahm einen tiefen Atemzug und verschwand unter der dunklen Wasseroberfläche, während er dort die Augen öffnete und suchend umher blickte. Kurz darauf tauchte der massige, speckige Körper wieder auf und ihm wurde gewahr, dass seine Zeit in den kühlen Fluten wohl gezählt waren. Im stand eine gnadenlose Jagd auf Leben und Tod bevor.

Waltran, der aus dem gekochten Fett des riesigen Tieres gewonnen wurde, war zu Zeiten vor der Entdeckung des Erdöls ein hoch begehrter Rohstoff. Denn er brachte Licht in dunkle Stuben und Tranlampen waren effizienter als die sonst verwendeten Kerzen. Aber schon zu biblischen Zeiten wurden er und die Seinen erwähnt und benannt: der Leviathan, das Monster aus der Tiefe – gruselige Geschichten wurden erzählt und unglaubliches Seemannsgarn wurde gesponnen, dabei war er doch das sanfteste Wesen, das je den Erdball bevölkerte.

Als er erneut auftauchte, rann Wasser seinen gewaltigen Kopf herab und bei jedem Atemzug prustete er es aus seinen Lungen wie Nebelwolken in den Himmel über ihm. Ihm war als hörte er wieder die Rufe:

„Da…. Da bläst er …“

Und mit letzter Kraft erhob sich der Wal, kletterte mit seinen großen Gliedmaßen über die Reling und mir wurde bewusst, dass drei Stunden Badewanne schon irgendwie die Wahrnehmung trüben können.

002 Die Stiefel des Nikolaus

Ende der 70er Jahre feierten wir den Nikolaustag immer bei den besten Freunden meiner Eltern.

Dieses Pärchen hatte eine Tochter und wir kannten uns eigentlich schon vor unserer Geburt. Mit von der Partie war noch mein jüngerer Bruder. Und so warteten wir gespannt in unseren Nicki-Pullis und Cord-Hosen auf den spannenden Moment, wenn es an der Tür pochte und der heilige, in Gold und Weiß gekleidete Herr mit vollem weißen Rauschebart hereingebeten wurde. Er würde uns wieder aus seinem güldenen Buch vorlesen und die darin vermerkten Übeltaten und schlechten Angewohnheiten vorhalten und uns zur Besserung gemahnen. Und dazu hörten wir Reisig-Geraschel und Kettenrasseln.
Denn der Nikolaus kam nicht allein. Er hatten seinen schwarzen, rußigen Gesellen im Schlepptau. In dunkle Lumpen gewandet und mit schwarzen struppigen Haaren und geschwärztem Gesicht stand der Krampus im Flur vor der Wohnungstür, jegliche eventuelle Flucht vereitelnd. Dagegen strahlte der Nikolaus vor lauter Licht und Erhabenheit. Wie es sich für eine Bischof gehört hatte er eine rote Mitra mit christlichem Kreuz und einen weißen wundervollen Mantel an. Weiße beringte Handschuhe und der obligatorische goldene Bischofsstab komplettierte die Lichtgestalt. Lediglich seine schweren, schwarzen Stiefel mit den eisernen Schnallen, so wie sie Forstarbeiter oder Landwirte im Winter tragen, reflektierten in keinster Weise die überbordende Herrlichkeit, die dieser Mann für uns Kinder ausstrahlte.

Die ganze Prozedur war relativ schnell vorbei. Die Streitigkeiten unter Brüdern wurden wahrscheinlich angesprochen und auch diese oder jene Unart. Meine Freundin kam wohl besser weg. Mädchen sind ja eh braver. Geschlagen oder mitgenommen wurden wir Gottseidank nicht. Eher im Gegenteil. Der Nikolaus öffnete einen Sack, den der Krampus getragen hatte und gab jedem Geschenke. Wir waren erleichtert und vergruben unsere Nasen in den bunten Jutesäckchen. Fast hätten wir vergessen, den Nikolaus und seinen Knecht zu verabschieden.

Der Abend verlief danach unspektakulär, gemütlich und entspannt. Später kamen noch weitere Freunde von unseren Eltern und setzen sich an den Tisch, um den Nikolaustag feucht-fröhlich ausklingen zu lassen.
Wir spielten am Boden und saßen vor dem Tisch. Von unter dem Tisch blitzte mich etwas an.

Und da fiel mir etwas auf…
Wie Schuppen fiel es mir von den Augen…

Ich überlegte hin und her, ob ich was sagen sollte. Aber dann stand ich energisch auf, zeigte mit dem Finger direkt auf den nachträglich eingetroffenen Werner und ließ die Bombe platzen!

„Der WERNER kauft seine Schuhe beim gleichen Schuhladen wie der Nikolaus!“

001 Grusliges von Mama

Meine Mama hatte eine schöne Kindheit in der ehemaligen DDR. Vor der Mauer, vor der Flucht. Sie erzählt oft vom Bauernhof in einem kleinen Ort an der Ostsee. Weite Kornfelder, Kartoffeläcker, Alleen aus Linden und Eichen, Sanddorn am Strand und vom Dorfweiher, der im Winter zugefroren war und zum Eislaufen einlud. Natürlich auch von der vielen Arbeit auf den Feldern und mit dem Vieh. Schafe hüten und Kühe melken.

Ich konnte mich vor ein paar Jahren selbst von der Schönheit der pommerschen Landschaft überzeugen und ich muss sagen, meine Mutter hatte recht. Den Bauernhof gab es zwar nicht mehr – er wurde nach der Flucht meiner Großeltern verstaatlicht, zweckentfremdet und umgebaut – aber die Luft zu atmen und in den Feldern zu stehen, die mein Opa anno dazumal sein eigen nannte und bestellte, war schon ein erhebender Moment.

Und trotzdem war da dieses mulmige Gefühl, in mitten von goldenen Weizenähren zu stehen.

Meine Mutter musste jeden Tag einige Kilometer in den nächsten Ort zur Schule gehen. Mehrere Dorfkinder bildeten eine Karawane, die durch Wind und Wetter, Sonne und Schnee den Weg bestritt, der quer durch die Felder führte. Wie es natürlich nicht ausblieb, wurde mal die große Pfütze, mal jener Schmetterling, mal diese Maus zum allgemeinen Wissenschaftsobjekt. Der Weg zur Schule war ein Sammelsurium an Ablenkungen, auf dem oft die Pünktlichkeit zum Opfer des Zeitvertreibs wurde. Vor allem auf dem Nachhauseweg war das natürlich ein Problem, wenn Vater oder Mutter schon mit Arbeit auf die Sprösslinge warteten.

So erzählte sie auch von der uralten Mähr, die die Alten oft zur Warnung wiedergaben.

„Nehmt euch in Acht vor der Kornmuhme, die kleine Kinder fangt , in ihre Höhle unter den Feldern zieht und bei lebendigem Leib verspeist.“ Dieser in Gestalt einer alten runzligen Frau mit langen Armen und hängenden Brüsten auftretende Naturgeist ist in schwarze Lumpen gehüllt und wartet darauf, dass sich Kinder in seine Reichweite verirren. Hat sie eins erwischt, hält die Muhme ihm den Mund zu und zieht es in ein Loch im Boden und es ward nie wieder gesehen. Außerdem kann sie sich trotz ihrer Gebrechlichkeit flink bewegen und überrascht Kinder, die sich in Träumereien am Feldrand aufhalten. Dann hetzt sie die Kleinen durch das Weizenlabyrinth bis jene nicht mehr können und vor Erschöpfung zusammen brechen. Schon ihr Atem soll den bevorstehenden Tod erahnen lassen.

Und so wurden die Kinder angehalten, nicht auf dem Weg zu verweilen sondern sich zu sputen. Die Kornmuhme ist immer da und immer wachsam.

Und da stand ich in meines Großvaters ehemaligem Weizenfeld, ließ die Sonne mein Gesicht erwärmen und sah aus dem Augenwinkel eine Bewegung im Getreide…

Christoph, lauf…

Früher war eben doch nicht alles besser.

Wer selbst nachlesen will:
https://de.wikipedia.org/wiki/Roggenmuhme_(Kornd%C3%A4mon)