Sandra ist meine letzte Freundin gewesen.
Keine Angst, Sandra ist nicht ihr richtiger Name. Namen wurden redaktionell aus Gründen geändert.
Ich lernte Sandra bei einem Spieleabend bei einem befreundetem Pärchen im Spätsommer 2020 kennen. Hochzeit Corona. Trotzdem alles fein. Wir spielten ein Spiel, bei dem man durch Zeichnen, Beschreiben und Pantomime andere Begriffe „erklären“ musste. Wir waren in einem Team. Und grade lustig war es. Es lag nämlich nicht die normale Version des Spiels auf dem Tisch, sondern eine „ab 18“-Version, in der die Begriffe, die es da zu erraten galt, schon ein wenig expliziter waren.
Irgendwie entstand da ein Band der Sympathie und wir verstanden uns gut. Es war ein durchaus witziger und gelungener Abend. Man tauschte Telefonnummern und die ersten WhatsApp-Nachrichten flogen noch am selben Abend über den Äther.
In der Gruppe, die sich da um diesen Spieleabend gebildet hatte, stand im Raum, Halloween zu feiern. Da aber terminlich nichts zusammen kam, lud ich Sandra zu mir nach Hause ein, kochte für sie und wir hatten einen schönen Abend. Was da außer dem Essen noch so passierte, erzähle ich nicht. Ein Gentleman und so weiter…
Auf jeden Fall sahen wir uns ab Nikolaus öfter. Ich besuchte sie auch. Und ich erzählte von meinen Hobbies und so ergab es sich, dass Sandra die Idee gefiel, mit mir an meiner Krippe zu bauen. Wir besorgten Material, besprachen Baupläne und begannen zu basteln. Und ich muss sagen, dass funktionierte ausgesprochen gut. So gut, dass wir in kürzester Zeit zwei Krippenmodule fertig hatten.
Aber in unserer Beziehung erkannte ich Seltsamkeiten. Sandra gab vor, starke Rückenschmerzen zu haben, nahm starke Medikamente und ich verzog mich zum Schlafen ins Wohnzimmer. Gesundheit first. Aber irgendwie erholte sich die Situation nicht mehr. Außer oberflächlicher Zärtlichkeiten gab es wenig körperlichen Kontakt. Wer meine Geschichte kennt, weiß, dass das eh für mich die Hölle ist und ein Gefühl der Ablehnung in mir wachsen lässt. Und das machte mir Angst.
Da zu kam dann, dass sie, Sandra ist von Beruf Tochter und betreut als Mitverwalterin einige Immobilien ihrer Mutter, irgendwie nicht viel arbeitete, viel Freizeit hatte, ihr tolles Auto spazieren fuhr und viele Shopping-Touren mit ihren Kids und ihrer Mutter machte.
Das ist an und für sich nicht verwerflich. Aber man sollte schon die Relationen kennen. Ihre Putzfrau, ja, sie hatte eine Putzfrau, konnte ihr nichts recht machen. Alles falsch. Lag ja wohl daran, dass sie aus Osteuropa war, da arbeitet man halt so. (Achtung: Zitat, nicht meine Worte)
Generell, wenn wir über Themen der Migrationspolitik sprachen, war eine eindeutige Färbung zu erkennen. Ich erschrak.
So hatte ich sie eigentlich nicht kennengelernt. Gut verstellt? Die Medikamente? Keine Ahnung.
Ihre Mutter ließ sich aus Spanien einige Waren direkt importieren. Gemüse, Terrakotta, Wein usw. – wahrscheinlich auf Rechnung mit Steuern und allem drum und dran. Als die Lieferung kam, bemerkte ich, dass sich die Eltern und der Lieferant schon besser kannten, umarmten. Und der Jorge, der Lieferant, lud die ganze Familie zu sich in den Süden Spaniens ein. Die Eltern von Sandra waren total begeistert von der Idee. Aber Sandra sagte nur erzürnt diese paar Sätze: „Ihr wollt euch doch nicht mit so einem in ein Restaurant setzen? Habt die dir die dreckigen Hosen und Hände gesehen? Das ist ja ekelhaft!“.
Und da legte es bei mir den Schalter endgültig um. Was tu ich hier eigentlich? Was verschwende ich Zeit mit einem Menschen , der null Empathie zeigt, der Menschen nur nach dem Äußeren oder ihrer Herkunft verurteilt?
Ich habe den Urlaub, der seit ein paar Monaten geplant war, mit ihr gecancelt und im gleichen Atemzug habe ich die Beziehung beendet.
Wir trennten uns im Stillen und ich gab ihr noch mit, dass ihre Kinder toll sind.
Hinten höher als vorne wurde es erst, als ich erfuhr, was in dieser Spieleabendgruppe noch während unserer Beziehung und noch viel mehr danach für dreiste Lügen erzählt wurden.
Ich würde Geld verlangen, für das, dass ich jedes mal den weiten Weg von mir daheim zu ihr führe…. Das ist nur eine. Die Aussage stimmt natürlich nicht. Aber ihr könnt euch denken, welche Kaliber da noch hinterher kamen.
Ich versuchte, dass alles zu ignorieren, hatte einige „Therapiestunden“ bei meiner guten Freundin.
Heute bin ich drüber hinweg und lache über die Lügen, die in den Wind gesät wurden.
Und ich bin froh, rechtzeitig erkannt und die Reißleine gezogen zu haben.
Fazit: den gebuchten Urlaub verbrachte ich mit meiner guten Freundin, die stattdessen einsprang, und es waren schöne Tage an der Ostsee.
Und seitdem hab ich an der Krippe nicht mehr weitergebaut.
Vielleicht packe ich es nochmal an, vielleicht mit einer anderen Freundin. Wer weiß? C’est la vie, wie der Süd-Spanier sagt.