059 Macht hoch die Tür, die Tor macht weit

Und es begab sich zu der Zeit… ho ho ho – nein, keine Sorge. Es weihnachtet nicht. Aber mit einer Tür hat die folgende Geschichte trotzdem zu tun.

Ich durfte in meinem neuen Job meine erste Dienstreise antreten. Ich sollte einen Kollegen bei einem von mir organisierten Event unterstützen: Akkreditierung der Teilnehmer, technischer Support, Kommunikation mit der Location – ein wirklich schönes Konferenzhotel in Düsseldorf. Also buchte ich den Flug, trug den Termin ein und wartete gespannt auf den Tag.

Eine Woche vorher gab mir ein Kollege den Tipp, nicht direkt am Flughafen zu parken, sondern etwas außerhalb – günstiger, mit Shuttle-Service. Die Telefonnummer hatte er gleich parat. Ein kurzer Anruf, Parkplatz reserviert, und ich freute mich: Die Kosten schrumpften auf ein Fünftel. Die Preise am Flughafen sind ja nicht nur frech. Die sind unverschämt.

Da mein Flieger früh ging, brach ich entsprechend früh auf. Fünf Uhr? Irgendwas in der Gegend. Es war jedenfalls noch stockdunkel. Geführt vom Navi rollte ich auf den Hof des Parkplatzanbieters. Ich war zwanzig Minuten zu früh. Bin ich fast immer.

Vier Reihen Autos standen dicht an dicht. In der Mitte des Areals ein Kleinbus mit eingeschalteten Scheinwerfern. Der Fahrer stand mit genervtem Blick vor dem geöffneten Heck. Er winkte mich heran, und ich fuhr zu ihm.

„Ich fahre gleich zum Flughafen“, sagte er und deutete auf die Passagierkabine, wo ein Paar mittleren Alters bereits wartete. „Geben Sie mir Ihr Gepäck!“ Ich erklärte, dass ich genug Zeit hätte und lieber die nächste Fahrt nehmen würde, um keinen Stress zu verursachen. Doch der Chauffeur schüttelte energisch den Kopf. Stress verursachte er trotzdem. Also öffnete ich die Fondtür, reichte ihm meinen Koffer, er wies mir meinen Parkplatz zu, verräumte mein Gepäck und schmiss die Tür zu. Und ich schmiss auch die Tür zu. Dann sprang ich ins Auto, startete den Motor und fuhr los.

Jetzt muss ich kurz mein damaliges Auto erklären: ein weißer Opel Meriva B. Ein Foto davon findet ihr in einem anderen Beitrag. Ich mag ja das Außergewöhnliche – warum auch immer. Vielleicht, damit die Leute über mich reden? Jedenfalls hatte dieser Meriva sogenannte „Selbstmördertüren“. Das sind Türen, die gegen die Fahrtrichtung aufschwingen. Eingeführt in den 40ern, verboten in den 60ern, weil sich während der Fahrt Türen öffnen konnten – mit fatalen Folgen. Mit Zentralverriegelung ist das heute kein Problem mehr, und einige Modelle haben solche Türen wieder. Ich fand sie cool. Wenn nicht…

Wenn nicht Folgendes passiert wäre.

Ich fuhr los – und plötzlich: ein Krachen. Ein Quietschen. Ein Knacken. Ein Schrei. Krrrrsch-wiiietsch-krrkrrk… hey, bist du deppert?!

Ich stoppte sofort, sprang aus dem Auto – und sah das Grauen. Meine Fondtür stand hinter dem Busheck, weit über den normalen Öffnungswinkel hinaus. Die Tür komplett im Eimer, die Gelenke überdehnt. „Ach, du Scheiße“, hörte ich mich sagen. „Ach, du Scheiße“, sagte der Busfahrer. „Beeilung, wir verpassen sonst unseren Flieger!“, rief das Paar.

Beim Zuschmeißen muss die Tür wohl nicht eingerastet sein. Beim Anfahren ist sie dann aufgeschwungen und gegen das Heck des Busses geknallt. Zum Glück hatte nur die Innenverkleidung den Bus berührt – dort war nichts passiert. Aber meine Tür… oh wei oh wei.

Ich setzte das Auto zwei Meter zurück, bog die Tür zurück und schmiss sie zu. Klonk. Türschloss sagt nein. Großartig.

Also fuhr ich sehr langsam, mit offener Rücktür, auf meinen Parkplatz und dachte darüber nach, dass mein Auto nun drei Tage offen herumstehen würde. Eingeparkt, ausgestiegen, warf ich mich mit vollem Gewicht gegen die Tür. Das Schloss griff. Die Tür war zu – aber die Spaltmaße hatten jetzt einen Zentimeter.

Es folgte die Fahrt zum Flughafen neben einem maulenden Pärchen. Dann das Einchecken. Dann der Flug. Dann das Event. Aber glaubt mir: Gedanklich war ich nicht bei der Sache. In meinem Kopf drehte sich alles um Auto, Tür, Schuld, Kosten, Versicherung, Totalschaden, neues Auto… Es war nicht lustig.

Nach dem Heimflug fuhr ich direkt zu meiner freien Werkstatt. Der Mechaniker sah sich den Schaden an und lehnte dankend ab. Also weiter zur Opel-Werkstatt. Dort attestierte man mir einen mittleren vierstelligen Betrag. Ich bat um Bedenkzeit.

Am nächsten Arbeitstag erzählte ich meinem Vorgesetzten die peinliche Geschichte. Er wiederum erzählte mir von der „Dienstreiseversicherung“ unserer Firma. Nach ein paar E-Mails mit Fotos und Kostenvoranschlag übernahm die Versicherung die Reparatur. Und die wurde wirklich hervorragend gemacht.

Was ist nun die Quintessenz? Bevor du mit einem Auto mit Selbstmördertüren losfährst, prüfe, ob alle Türen wirklich geschlossen sind – und ob kein Kleinbus in der Nähe steht.

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