051 „Shogun dōitashimashite kudasai sensei“

Übersetzung: „Bitte, gern geschehen, Meister Shogun, bitte, danke.“

Wie soll ich anfangen? Wo soll ich anfangen? und Wann?

Obwohl, „wann“ ist eigentlich ganz einfach.

Aber erstmal: um was geht es heute?

Ich habe mir ein Brettspiel gekauft. Das heißt SHOGUN.

Es ist von der Firma MB aus der Gamemaster Series und 1986 erschienen.

Im Grunde ist das Spielprinzip ähnlich des dem bekannteren „Risiko“ von Hasbro, nur etwas komplexer und räumlich nur auf Japan bezogen.

Das Bild ist aus dem Internet geklaut- Man sieht hier ganz eindeutig, dass der Besitzer nicht verstanden hat, dass er das viereckige Symbol auf der Fahne auch auf einen Fahnenträger mit viereckigem Fuß kleben muss. Auf diesen Fahnenträger gehört ein rundes Symbol…. Gut, ich habe ja einge Erfahrung mit dem Spiel. Oh mein Gott. Bin ich von Dilletanten umgeben??? Ahhhhhhhh

Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines japanischen Fürsten. Ziel ist es, durch das Besetzen von Regionen mehr Steuereinnahmen und Einfluss zu gewinnen. Dazu baut man Truppen auf und führt Eroberungen durch.

Zu Beginn jeder Runde teilt jeder Spieler sein Geld verdeckt auf verschiedene Aktionen auf. Man kann zum Beispiel Truppen ausheben, den ersten Zug erkaufen, Söldner (Ronin) anheuern, einen Ninja erwerben oder Burgen und Festungen bauen. Jede Aktion hat dabei eine wichtige Funktion: Ronin sind hilfreich, um schnell Truppen zu verstärken, da in jeder Region nur begrenzt neue Einheiten produziert werden können. Der Ninja kann verwendet werden, um Gegner auszuspionieren oder gegnerische Daimyos (die Anführer der drei Armeen eines Spielers) auszuschalten. Daimyos sammeln durch gewonnene Kämpfe Erfahrung, wodurch ihre Armeen stärker werden. Stirbt ein Daimyo, geht diese Erfahrung jedoch verloren. Die Armeen sind das Herzstück des Spiels: Wenn ein Spieler seine gesamte Armee verliert, scheidet er aus.

Kämpfe werden mit 12-seitigen Würfeln ausgetragen. Jede Truppeneinheit hat einen bestimmten Wert, der ihre Kampfkraft anzeigt. Ein Speerkämpfer, der ein einfacher Bauernkrieger ist, hat z. B. einen Wert von 4, während ein Daimyo als ausgebildeter Samurai einen Wert von 6 hat. Beim Würfeln muss der Wert unterboten werden, um den Gegner zu treffen.

Sorry, das habe ich mir schnell mal von einer KI zusammenfassen lassen.

Aber nun, was ist denn das Besondere an diesem Kauf, an diesem 1-2-3-meins via ebay (Hey, es war wirklich ein Schnäppchen)?

Ich kaufe dieses Spiel zum 3. (dritten) Mal. Ist das doof?

Ja, schaut nicht so fragend. Es ist auch für mich ein WTF-Moment.

Also „wann“?

Als ich 16 war, war das Spiel gerade 3 Jahre alt und in meinem Umfeld der Hammer. Ein Freund von mir hatte das Spiel und es trafen sich regelmäßig eine Gruppe von Kumpels eben bei diesem Freund, um stundenlange Partien gegeneinander zu spielen. Das Spiel beinhaltete so an die 400 Mini-Soldaten-Figuren, die auf dem Spielfeld umher wanderten. Armeen überfielen ganze Landstriche, Söldner zwangen den einen oder anderen Spieler zur Aufgabe, der Ninja meuchelte Anführer und wehrhafte Festungen wurden gebaut. Über mehrere Wochen oder Monate war das unsere Lieblingsbeschäftigung am Wochenendnachmittag (Abends mussten wir ja auf die Piste 😉). Und so war das Spiel ein Must Have. Also sparte der Herr Hebenstreit so manchen Taler und kaufte sich dann dieses Brettspiel (Original-Preis: lt. meiner Erinnerung etwa 100 DM), um es auch sein Eigen zu nennen. Aber eins hatte er, bzw. ich nicht bedacht: ich spielte ja eh mit meinen Kumpels. Wir hatten ja das Spiel schon einmal. Warum also noch einmal? So landete meine Version im stillen Kämmerchen auf dem Speicher und ward vergessen. Also ehrlich. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wo dieser meiner erster erster Karton hinverschwunden ist. Vielleich habe ich ihn verliehen… aber an wen?

Nun ja. Die Zeit verging. Ich heiratete. Bekam neue Familienmitglieder wie Ehefrau, Schwägerin, Schwager, Schwiegermutter, Schwiegervater, Schwippschwager und -schwägerinnen usw.. Und so dachte ich an meine Jugendzeit mit dem tollen Strategie-Spiel zurück und überlegte. „Hey, das wäre doch eine tolle Sache, wenn ich mir das herhole und wir alle zusammen Japan unter uns aufteilen.“ Nun ja… wie gesagt, ich fand das Spiel aber nicht mehr.

Zu der Zeit waren meine Frau und ich begeisterte Flohmarkt-Besucher. Eines schönen Tages spazierten wir über den Tölzer Flohmarkt und ich sah den mir bekannten Karton. Ich hatte mich natürlich erkundigt, was das Spiel jetzt neu kostete und besah mir die Qualität des hier Angebotenen. Ich denke, ich kam günstiger weg aber lasst es trotzdem 80 – 90 DM gewesen sein. Da konnte ich nicht „Nein“ sagen.

Nun, ich hatte das Spiel wieder. Und ich präsentierte es der Familie. Ich blickte in verständnislose Gesichter. Brettspiel? Japan? 3 Stunden? Soldaten, Ninja und Ronin? Was soll ich sagen, ich habe das Spiel nicht ein einziges mal mit meinen angetrauten Verwandten gespielt.

Irgendwann stand dann ein Umzug an. Naja, ihr könnt es euch schon denken. Nein, ich habe das Spiel aus Platzgründen nicht weggeschmissen. Ich habe es aus Platzgründen ebenfalls auf einem Flohmarkt verkauft. Ich weiss es nicht mehr… 20 Euro??? Ja, da gab es dann denn EUR. Wenn man was kaufte, war es doppelt so teuer. Wenn man was verkaufte, wurde in DM umgerechnet. Gemeinheit damals. Fazit: Das Spiel war weg.

Im Zuge meiner 80er-Jahre Kindheits-Erinnerungs-Kiste/Vitrine in der letzten Zeit streune ich ab und zu auf ebay rum. Auf der Suche nach Erinnerungen stieß ich letztens dann auf Shogun. Das Angebot war gut. Naja, keine 20 Euro, aber trotzdem gut. Und so bot ich mit. Mein Wunsch-Höchstbetrag wurde nicht mehr überboten und so bekam ich den Zuschlag. 1-2-3-meins. Ich habe das Spiel wieder. Heute kam es per DHL an. Ja, es ist gebraucht und dem Karton sieht man das Alter an. Aber: nach Kontrolle sind alle Teile da. Sogar die Aufkleber für die Armeefahnen sind noch auf dem Stickerbogen… Das Spiel wurde seit 1986 nie gespielt. Wahrscheinlich zu komplex. Oder eine verständnislose Familie.

Aber ich mache mir nichts vor: Ich habe nicht die große Menge an Freunden, mit denen ich mich wöchentlich oder monatlich zu Spieleabenden treffe. Meine ältere Tochter ist strikte Pazifistin und lehnt es wahrscheinlich ab, ein Kriegsspiel zu spielen. Ich werde dieses Spiel höchstwahrscheinlich nie wieder aufbauen und einen Zug machen. Aber ich gebe es auch nie wieder her. Sonst müsste ich es mir ja nochmal kaufen.

Und das wäre nun wirklich doof.

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