1992. Die Nacht war dunkel und sternenlos. Naja wirklich sagen kann ich das nicht. Es war nämlich bedeckt und es regnete.
Ich fuhr mit meinem roten Opel Kadett von der Disko nach Hause. Ich bretterte über die nasse Straße. Nach einem Streit mit meiner Freundin war ich angefressen und war beleidigt aus der Disko gelaufen. Ich wollte einfach nur weg.
Bei einer Stadt zwischen Abfahrt und Ziel lag ein Gasthof an der Straße. Ein paar Monate vorher starb ein Klassenkamerad von mir an dieser Stelle (R.I.P. Todi). Und vor diesem Gasthof war eine leichte Steigung. Ich fuhr diese Steigung hinab und war ein bisschen zu schnell unterwegs. Aber aufgrund meiner emotionalen Verfassung merkte ich das nicht… oder mir war es egal. Ich flog regelrecht das Gefälle hinab, hinein in eine Kurve. Das Wasser auf der Straße tat sein Übriges. Das nennt man wohl Aquaplaning. Die Reifen meines Autos erlangten keinen Grip und der Wagen begann sich wegzudrehen. Ich machte auf der Straße einen 180° Turn und rutschte danach gerade in ein Feld. Ich, völlig schockiert, liess das Lenkrad los und ließ den Wagen gewähren. Nach 20 Metern blieb ich im Feld stehen. Ich brauchte einige Minuten, um mich zu sammeln. Ich schnallte mich ab und verließ das Auto. Eine gerade Spur meiner Reifen hatte das Feld durchpflügt. Ich ging um mein Auto herum und entdeckte den Schaden. Stoßstange und Kotflügel waren zerkratzt. Puhh. Ich stieg zitternd in meinen Wagen, wendete und fuhr die Spur zurück. Das Auto rumpelte schon arg auf dem unebenen Untergrund. Als ich an der Straße ankam, sah ich etwas, was mich zusätzlich erblassen ließ meine Spur führte von der Straße zwischen zwei Pfosten durch. Ein Verkehrszeichen und einem gelben Gasleitungs-Hinweisschild mit Dach. Die beiden Schilder waren nur soweit voneinander entfernt, dass gerade mein Auto gerade durch passte. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich einen Pfosten gerammt oder touchiert hätte. Mir wurde schwindelig. Ich atmete tief durch und setzte mich wieder hinters Lenkrad. Ich fuhr auf die Straße und merkte das nächste Malheur. Ich hatte wohl den Stacheldrahtzaun durchbrochen und hatte hinten einen Platten. Ich fuhr langsam weiter. Nach ca. einem Kilometer hielt ich an. Ein Parkplatz war beleuchtet und ich versuchte, den platten Reifen zu wechseln. Keine Chance, ich bekam die Schrauben nicht auf. So sehr ich es auch versuchte, da bewegte sich nichts. Was nun? Im Stadtzentrum erhoffte ich mir Telefonzellen. Es war 2 Uhr nachts. Handys gab es noch nicht.
Ich lief zu der gelben Box, schmiss drei Groschen ein und rief daheim an, in der Hoffnung, meinen Vater noch vor dem Zubettgehen zu erreichen. Es dauerte einige lange Sekunden aber dann meldete sich mein Vater schlaftrunken. Ich spürte eine Erleichterung als ich den weißen Wagen meines Vaters eine halbe Stunde später ankommen sah. Er wies mich an, einzusteigen und wir fuhren zur Polizei, Meldung zu machen und den Standpunkt des havarierten Kadetts anzugeben. Am nächsten Tag holten wir dann meinen Wagen. Letztendlich ging alles gut aus.
Aber jedes Mal, wenn ich an dieser Stelle vorbei fahre, erinnere ich mich an diese Situation und danke meinem Schutzengel, dass er mir links und rechts zwischen den Schildern 10 cm schenkte.