Ich bin ja an und für sich ein weltoffener Mensch und trete jedem mit geöffneten Armen entgegen… außer Franzosen.
Ich weiß nicht, was das ist?
Vielleicht weil die den Deutschen gegenüber auch so ablehnend sind? Gewachsene Geschichte.
Vielleicht weil ich kein Wort deren Sprache verstehen, sprechen, geschweige denn, lesen kann? Pneu heisst zum Beispiel Reifen. Okay, die Übersetzung bekommt man vielleicht noch hin, ausgesprochen wird das ’nö’… einfach ’nö‘.
Aber mit ein Grund, warum ich mit Franzosen nicht warm werde, ist der Spatz von Paris.
Die Älteren unter euch werden sie vielleicht noch kennen: Mireille Mathieu. Der weibliche 1.50 m große Prinz Eisenherz mit einem Timbre, das mir meine Eingeweide verknoten und zerbersten lässt.
„Aber warum diese Abneigung, warum dieser Hass?“, werdet ihr Fragen. Ich sage nur Weihnachten.
Der Moment, wenn Vater voller Glückseligkeit an Heilig Abend in den Schallplattenschrank griff, um zielsicher (es war von seinen fünf Schallplatten immer die rechteste im Schrank) die Eine herauszuziehen. „Mireille Mathieu – Und wieder wird es Weihnacht“. Und wieder wird mir übel, nur bei dem Gedanken daran.
Das Schallplattencover hat sich richtiggehend eingebrannt in mein Gedächtnis und in meinen Augenhintergrund. Eisenherz steht inmitten von frisch geschlagenen Nadelbäumen, gut ausgeleuchtet, wahrscheinlich in einem Fotostudio, eingehüllt in eine Pelz-Kaputzenjacke, vermutlich Silberfuchs, und grinst etwas debil mit ihrem schwarzen Topfschnitt-Haar in die Kamera.
Jedes Jahr wieder. Heiligabend – Weißwürscht mit Vogerlsalat – Bescherung – der Griff zum Schallplattenschrank – Mireille Mathieu grinst debil – Stillä Nascht, Eiligä Nascht…. Erbei, O ihr Gläubischen… – Jedes Jahr. Seitdem ich denken kann, bis in meine Zwanziger.
Sorry, Mireille Mathieu, sorry, Frankreich.
Ihr habt mich weihnachtlich traumatisiert.
Mittlerweile tönt es an Weihnachten anders aus der Stereoanlage meines Vaters. Eine CD, bespielt mit den wunderschönsten Chören aus Deutschland, zB. mit den Regensburger Domspatzen oder dem Leipziger Thomanerchor. Aber ich denke auch nur aus dem Grund, weil es genau dieses Weihnachtsgeträller von Mireille nicht auf eine CD geschafft hat.
Ich habe mich weihnachtlich musikalisch auch weiterentwickelt. Wenn man das so sagen will. Ich höre gerne an Heilig Abend Melanie Thornton, Queen, Slade und sogar dann Mariah Carey. Eher englisch-sprachige moderne Weihnachtsklassiker. Ausser einem: Last Christmas von Wham! Aber das ist eine andere Geschichte.