Ja. Autos.
Was soll ich erzählen?
Für viele Menschen ist ein Auto äußerst wichtig. Für viele Deutsche ist das Auto das liebste Hobby. Und für viele deutsche Autobesitzer ist das Objekt der Begierde ein Familienmitglied, oft geliebter als Frau und Kind.
Ich kann und konnte diesem Enthusiasmus, ja, dieser Liebe, zum rollenden Untersatz nie etwas abgewinnen. Für mich waren die realen Familienmitglieder zum Beispiel immer wichtiger. Das Auto war für mich immer ein Gebrauchs-, wenn nicht sogar ein Verbrauchsgegenstand. Es muss mich von A nach B bringen, meine Lieblingsmusik abspielen, ein Billy-Regal kartonverpackt und alles, was man im Italien-Urlaub braucht, und noch zwei Kinder fassen.
Klar, es sollte im Verbrauch nicht zu teuer sein, auf der Autobahn schon mal schneller wie 130 Sachen sein und nicht allzu oft kaputt gehen. Aber das sind eher meine pragmatischen Anforderungen an das Automobil, das ich fahre. Ich habe auch immer Gebrauchte gefahren.
Wenn, aus welchen Gründen auch immer, das Kind im Fond eine Brezel in ihre 1000 Einzelteile zerlegt, der Schnee an den Schuhen beim Schmelzen und Trocknen unansehnliche Salzmuster am Boden hinterlässt, oder ich beim Parken die eine oder andere Schramme in der Karosserie produziere, es ist mir egal.
Vielleicht nicht gerade egal… aber es gibt Schlimmeres.
Ich verurteile damit niemand, der auf sein Auto Acht gibt und in dessen Gefährt es noch nach Jahren wie neu blinkt und blitzt und nach Neuwagen riecht, die mit jeder Delle oder jedem Kratzer zur Werkstatt fahren und ein Vermögen ausgeben, damit das Auto wieder neu ausschaut. Ich bin halt nur nicht so.

Auto Nummer 1
Nach Erlangen der allgemeinen Fahrerlaubnis, was etwas teurer wurde, als geplant, weil der schlaue Herr zweimal den Fehler machte zu denken, dass das Auswendiglernen der Hälfte der Prüfungsaufgaben schon reichen würde, musste ich erstmal Geld sparen. Das Sparkonto war geplündert und meine Eltern konnten – oder wollten – mir kein Auto spendieren. Als ich 500 DM zusammen hatte, kaufte ich den Opel Kadett D einer Arbeitskollegin meines Vaters. In Matt Rot. Matt, weil der Lack nicht mehr glänzte sondern echt schon gelitten hatte. Einen Oxbow (In-Modemarke Anfang der 90er) Aufkleber drauf und alles war gut. Dieses Auto wurde zum Partymobil. Sturm und Drang. Ein Diskoparkplatz nach dem anderen.
Auto Nummer 2
Während der Beziehung mit meiner ersten langjährigen Freundin musste dann was flotteres her. Den Kadett gab ich meinem Bruder und ich holte mir einen VW Golf 2 in polarsilber metallic. Polarsilber war eher hellhellgold als irgendein Silber. Mit diesem Golf heiratete ich meine Frau und es beförderte auch mein erstes Kind.
Auto Nummer 3
Das zweite Kind kündigte sich an. Ein Kinderwagen und ein Buggy. Das Zeug, das man mitnehmen musste, wurde immer mehr. Ein Familienauto musste her: ein Kombi.
Ich fand den damaligen Ford Mondeo MK2 ganz ansprechend. Und dann noch in bordeaux metallic. Meinen Golf gab ich meinem Bruder. Im Jahr 2000 fegte dann ein gewaltiges Unwetter über unser Dorf. Hagelkörner in Tennisball-Größe überall und aus allen Richtungen. Seitdem hieß mein Auto „Knäckebrot“ und mit den ganzen Vertiefungen sah es auch so aus. Die Versicherungszahlung finanzierte uns damals den Urlaub.
Auto Nummer 4
Wahrscheinlich ein Marder machte dem Ford ein Ende. Mit leerem Kühlsystem wollte meine Frau mich von der Arbeit abholen. Heim kamen wir nicht mehr. Die kleine Tochter kommentierte folgerichtig „Motosadn“. Mein Bruder wollte den dann auch nicht mehr.
Im wahrsten Sinne über Nacht musste was Neues her. Beim Opel-Händler im übernächsten Ort wurden wir fündig. Ein Opel Vectra B Kombi in tannengrün metallic. Ich schwärme heute noch von der Stromlinienform der Seitenspiegel. In der Rückbetrachtung mein schönstes Auto. Auch zum Scheidungstermin fuhr ich im Vectra.
Auto Nummer 5
Ich weiß nicht mehr genau, warum ich mich als nächstes für einen Opel Meriva A in taubenblau metallic entschied. Günstig, praktisch, gut. Durch die Beziehung mit meiner Freundin und die Wochenenden mit meinen Töchtern fuhr ich mit dem Meriva viele, viele Kilometer. Der war so praktisch, dass sich meine damalige Freundin das gleiche Auto holte. Auch beim Reimrausch tat der Meriva gute Dienste. Ausserdem prangte ein großes Reimrausch-Logo auf der Motorhaube.
Auto Nummer 6
Aber auch der Meriva gab irgendwann den Geist auf. Danach holte ich mir einen Meriva. Aber den B und in Silber. Der hatte schöne Selbstmördertüren. Das sind Hintertüren, die nach hinten aufschwenken. Das war so … anders, das liebte ich. Mehr gibt’s nicht zu erzählen, ausser dass der Wagen ein Montagsauto war. Laufend Probleme im Kühlsystem, Rückgabe nach eineinhalb Jahren. Beim Abholen durch einen Werkstattmitarbeiter hatte das Auto dann einen Motorschaden. Aber verkauft war verkauft und nicht mehr mein Problem.

Auto Nummer 7
Auch wenn das Erlebnis mit dem letzten Auto ernüchternd war, mochte ich doch den Opel Meriva B. Also holte ich mir wieder einen solchen. Diesmal in weiß und mit Panoramadach. Das ist toll.
Und wenn er nicht gestorben ist, fahre ich immer noch damit durch die Gegend.
P.S.: ääähhhäääm. Nr 8.: Der Post ist schneller gealtert wie ein Neuwagen.
