Also ich hab ja mal „Druckformhersteller“ in einer Druckerei gelernt. Da klebte man Filmschnipsel oder -Seiten (in der Regel für jede Druckfarbe – cyan, magenta, gelb und schwarz) passgenau auf einem Leuchttisch auf transparente Folien übereinander und belichtete diese Folien dann auf lichtempfindliche Druckplatten, die letztendlich in die Druckmaschine gespannt wurden.
Na ja, das Arbeitsverhältnis wurde aufgelöst, weil ich nur Einser im Zeugnis hatte und die Gesellenprüfung mit Bravour absolvierte. Im Ernst, die beiden anderen Lehrlinge hatten nicht so großes Glück in der Prüfung und mussten weiterbeschäftigt werden. Das lief nicht so, wie der Chef das geplant hatte und deswegen durfte ich gehen. Die Druckerei ist mittlerweile pleite gegangen.
Danach stellte mich eine andere Druckerei an, die aber verlangte, dass ich vorher eine Weiterbildung in den Programmen der Digitalen Druckvorstufe machte. Illustrator, Photoshop, QuarkXpress, Pagemaker, hach. Hey, von dann an saß ich viel am Apfel-Rechner und gestaltete Drucksachen. Aber ansonsten belichtete, klebte und kopierte ich Filme.
Irgendwann wechselte ich dann nach zwanzig Jahren die Stelle. Die Druckerei ist mittlerweile pleite gegangen.
In meiner neuen Stelle arbeitete ich vier Jahre. Die Druckdaten wurden mittlerweile direkt vom Computer auf die Druckplatte belichtet. Aufgrund wirtschaftlicher Gründe wurde ich dann wieder gekündigt. Na ja, Wunder was, die Druckerei ist mittlerweile pleite gegangen.
Deswegen war mein Abschied aus der Druckerei, sogar aus der ganzen Branche, ein Glücksfall für mich.
Aber meine Druckerei-Karriere hat schon was Zerstörerisches. Der „Terminator“ eben.
Obwohl, den Beinamen „Terminator“ bekam ich schon zur Lehrzeit.
Als eine meiner ersten Tätigkeiten musste ich die Filmentwicklermaschine reinigen. Wasser und verbrauchte Flüssigkeiten ablassen und neu auffüllen. Das Doofe war, dass man mir nicht viel erklärt hatte. Da waren zwei Hähne, einer rot und einer blau. Blau ist doch Wasser?!?! Ich drehte auf, es gluckerte… und ich liess es laufen. Ich ging kurz aus der Dunkelkammer. Nach ein paar Minuten kam ich zurück und stand mehrere Zentimeter in Fixierflüssigkeit. Der Auffangkanister lief gnadenlos über und bedeckte den ganzen Betonboden.
Entwickler = rot, Fixierer = blau, Wasser = weiß, hinten an der Maschine. Erst mal die stinkende Brühe aufwischen und dann die Farben nie wieder vergessen.
Beim zweiten Vorfall musste ich eine Palette verpackte Druckplatten ins Lager fahren. Das machte man gewöhnlich mit einer Elektro-Ameise. Man konnte die Hebebühne dann mit einem Hebel elektrisch aufheben. Dabei sollte man nach Möglichkeit darauf achten, dass die gehobene Bühne noch unter dem Türsturz durchpasst. Mein Ausbildungsbetrieb befand sich zwar in einem alten soliden Kriegsbunker, aber meine Unachtsamkeit beschädigte nicht nur den Türsturz, dass es ordentlich rieselte und bröckelte, sondern verbog auch krass die Ameise zur Unkenntlichkeit, naja zumindest zur Bedienungsunfähigkeit.
Und von da an war ich der Terminator.