Als ich 18 war, ich hatte gerade meinen Führerschein, traf ich mich auch mit Leuten außerhalb meiner Clique. Da waren Armin, Herbert und Sonja. Wir hatten eins gemeinsam. Unsere Lust, Musik für andere auf Partys zu machen. Armin hatte eine Anlage und wir beide hatten am meisten Platten und CDs. Herbert und Sonja waren eher unsere Nischen-Musik-Spezialisten.
Wir trafen uns einmal in der Woche zum Bierchen und verbanden uns zu einem DJ-Team, das man für Partys oder andere Festivitäten buchen können sollte. Wir hatten auch einen Namen und eine Logo dazu: „AQUARIUS cash music“ (cash stand für unsere Vornamen!)

Armin und ich legten Musik auf einer Jugendübernachtung der Wasserwacht am Walchensee auf. Die acht- bis zwölfjährigen Kinder hatten Spaß und bestimmt einen coolen Discoabend. Das machten wir kostenlos. Fing gut an, unser Geschäftsmodell.
Unseren nächste Buchung hatte Sonja organisiert. Auch kostenlos, weil einige ihrer Freunde eine Faschingsparty für die Fußballjugend des Dorfes organisierten. Hey, wir mussten ja erstmal bekannt werden.
Armin hatte sich Tage zuvor verletzt und konnte nicht Auto fahren. So vertraute er mir als Neuling seinen Mini an und wir fuhren unser Equipment zum Sportlerheim und bauten auf. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mich als Pfarrer verkleidete. Naja, der Abend verlief problemlos und wir beschallten den Gastraum, wechselten uns beim Auflegen ab und die Leute tanzten. Eigentlich alles cool.
Als wir dann gegen 2 Uhr aufhören mussten und anfingen zusammen zu packen, war da eine kleine Gruppe von jungen Kerlen, sichtlich angetrunken, die anfingen, uns anzupöbeln. Ich weiß heute nicht mehr, was der Grund war, ob sie Sonja dumm anmachten, ob sie Armin auslachten, weil er humpelte, ob ihnen die Musik nicht gefiel oder ob sie sauer waren, dass die Fete aus war? Auf jeden Fall heizte sich die Situation merklich auf, als sie bemerkten, dass wir auf ihre verbalen Angriffe und Beleidigungen gar nicht eingingen. Als sie anfingen, uns herum zu schubsen, räumten wir unser Equipment so schnell wie möglich in Armins Auto und zwängten uns zu viert in den Mini. Als ich den Wagen aus der Parklücke fuhr, wartete in der Geraden schon ein Auto mit blendenden Scheinwerfern. Der Andere folgte uns, als ich auf die Straße fuhr. Das Auto hinter uns fuhr ganz nah auf, sodass ich im Rückspiegel die Insassen erkannte. Wie nicht anders zu erwarten war, waren es die Pöbler. Ich beschleunigte etwas und ließ den Motor des Minis aufheulen. Die Gangschaltung von Armins Auto war etwas gewöhnungsbedürftig. Ich kuppelte und Armin schaltete, wenn ich den Gang nicht selbst hinein bekam.
Und so flogen wir durch Felder und Wälder durch die Nacht, der andere immer hinter uns. Was hatten die vor? Wollten die uns was antun? Oder wollten die uns nur Angst einjagen? Wir kreischten bei jeder Kurve und jeder Bodenwelle, die wir viel zu schnell nahmen. Nach etwa 20 Minuten kamen wir in die nächste größere Ortschaft. Als wir auf die Hauptkreuzung zu fuhren, sah ich im Rückspiegel, dass wir uns etwas Abstand gefahren hatten. Vielleicht 50 Meter. Ich überlegte einen Moment und hatte eine Idee. Wenn das funktionieren würde, wäre es genial. Ich bog an der Ampel nach rechts ab, schaltete die Autobeleuchtung aus und bog nach der Kirche, die sich rechterhand befand, wieder nach rechts ab. Ich fuhr schnell auf das stockdunkle Innengeviert eines Bauerhofes und stellte den Motor ab. Wir saßen ganz ruhig, atmeten aufgeregt und lauschten. Nichts. Wir warteten rund 20 Minuten. Die Scheiben des Mini liefen an. Dann öffnete ich meine Fahrertür und trat an die frische Luft. Ich atmete tief ein und sah, dass die anderen es mir gleich taten.
Was nun? Entweder waren sie weitergefahren, oder sie drehten um, was bedeuten konnte, dass sie uns immer noch entgegen kommen konnten, oder sie warteten irgendwo. Aber letztendlich mussten wir ja auch weiter. Und so fuhren wir angespannt in Richtung unserer Heimatstadt. Zum Glück begegneten wir ihnen nicht noch einmal und die Anspannung viel von uns ab. Wir überlegten uns, zur Polizei zu gehen, aber wir hatten ja nichts in der Hand. Keine Namen, nicht mal die Autonummer oder das Automodell. Wir machten nichts weiter.
Das Ende der Geschichte: nach diesem Erlebnis traf sich AQUARIUS cash music nicht mehr und wir verloren uns aus den Augen. Jahre später stieg ich zu Armin in sein Taxi. Er erkannte mich nicht mehr.
In meiner Erinnerung war die Aktion nicht wirklich lustig, aber das Schnippchen, dass ich den anderen geschlagen hatte, war schon irgendwie cool.