033 Das Beste aus Italien mit P

Das werden vermutlich nicht viele wissen, aber ich war mit 19 Mitglied einer Band. So mit Gesang, Konzerten und Fans und das begann so:

Meine Eltern und ich besuchten deren besten Freunde. Angie, die Tochter des Hauses, hatte einen festen Freund, Rudi. Und wir saßen in ihrem Zimmer, „chillten“, wie man heute sagen würde, und vertrieben uns die Zeit mit blöd daherreden. Rudi nahm sich aus Langeweile Angies Gitarre und klimperte darauf ein paar Akkorde. Rudi konnte gut die Gitarre spielen, entlockte ihr immer mehr bekannte Melodien und bald begannen wir zu singen. „Angie“ von den Rolling Stones war natürlich augenscheinlich. Aber auch einige Cat Stevens Songs. Ich kann zwar nicht wirklich gut singen und meine Frauen haben mich in der folgenden Zeit immer wieder darauf hingewiesen und verboten es mir, aber damals war es uns/mir egal. Wir trällerten, wie uns der Schnabel gewachsen war. Immer mehr Songs entdeckten wir, die wir spielen und singen konnten und jedes Mal, wenn wir uns trafen, schnappte sich Rudi eine Klampfe und wir sangen zusammen. Bald hatten wir ein beträchtliches Repertoire zusammen.

Im Sommer war der nahegelegene See „the place to be“. Und vom Lagerfeuer könnte ich Geschichten und Unterhaltungen erzählen, die so der eine oder andere schüchterne junge Mann auch erlebt hat. Ich sag nur: „Du bist ein total Lieber. Mit dir kann man so gut reden“, usw. Aber am Lagerfeuer, zusammen mit Freunden und Kumpels packte Rudi seine Gitarre aus und wir beschallten den ganzen See mit unserer Lagerfeuerromantik. Wir stiegen die „Stairway to Heaven“ hinauf und klopften mit „Knocking on Heavens Door” an. Wir zauberten ein tolle Stimmung und alle genossen es. Das hoffe ich zumindest.

„The second place to be“ war zu der Zeit eine kleine gemütliche Bar, in der wir uns dann an manchen Abenden, meist vor Diskobesuchen, trafen. Geführt wurde die Bar von Tobi, einem Österreicher, sehr nett und sehr trinkfreudig, was zur Folge hatte, dass er meistens mehr intus hatte als wir und total den Überblick verlor, was wer und wieviel bestellte. Teilweise bedienten wir uns selbst. War eine krasse Zeit und war beileibe nicht immer in Ordnung.

Auf jeden Fall lief Rudi irgendeines Abends mit seiner Gitarre ein. Wir verzogen uns in eine Ecke und er klimperte und wir sangen ein wenig.

Als Tobi auf uns aufmerksam wurde ¬ er hörte wohl schon eine zeit lang zu ¬ kam er auf uns zu und fragte: „Ich habe demnächst noch zwei Auftrittsslots frei. Wollt ihr nicht mal auf der Bühne spielen?“

Rudi sah kurz zu mir und dann nickte er, meine Meinung gar nicht abwartend. Tobi freute sich, teilte uns die Daten mit und verschwand wieder hinter den Tresen.

Okay, nun hatten wir unseren ersten Auftritt. Rudi an der Gitarre und wir beide am Mikrofon. Keine eigenen Songs, nur Coverversionen. Und wir hatten keinen Namen.

Wir trafen uns bei Rudi, klimperten unser Repertoire und machten uns am Abend eine Pizza. Ich sollte noch erwähnen, dass wir Wochen vorher zusammen in Italien waren. Und so beim Pizza essen kamen uns die Erinnerungen an den Urlaub hoch (ein Ereignis davon gibt’s in einem anderen #christophmeinlebenundich) und wir erzählten und lachten. Dann hatte ich die geniale Idee, uns Pizza Plumpsklo zu nennen. Die besten Dinge aus Italien mit P, weil P ist ein schöner Buchstabe. Das war die Erklärung. Vielleicht waren wir aber auch schon zu sehr betrunken, um nochmals darüber nachzudenken.

Das erste Datum kam immer näher. Zwischenzeitlich malte ich Plakate und hängte diese rund um die Bar auf. Wir luden alle unsere Freunde und Familien ein und wir übten leidlich Songs und Texte.

Und dann war es soweit. Die Bühne war gerichtet. Wir waren beide schwarz-weiß gekleidet. Daheim hatten wir Whiskey-Flaschen mit Apfelsaft gefüllt, zwecks der Show, und brachten unser Zeug auf die Bühne. Dort lag eine eingestöpselte E-Gitarre. Tobi kam auf Rudi zu und meinte: „Wenn der Laden voll ist, wird man dich nicht mehr hören, dann ist es besser, du spielst gleich dieses Teil“. Ich kenne mich ja mit Musikinstrumenten überhaupt nicht aus, Aber Rudi meinte, dass man eine E-Gitarre wohl etwas anders spielt als eine Akkustische. Aber Tobi ließ sich nicht davon abbringen. Rudi stieg der Schweiß auf die Stirn.

Die Bar füllte sich langsam und gegen 20.30 Uhr sollten wir zu spielen beginnen. Die Gitarre hörte sich mittelprächtig an. Wir hatten uns außerdem vorgenommen, uns vorzustellen. Und so sagte Rudi sein Reimchen auf. Ich blickte in die Gesichter ca. 200 Anwesenden und brachte nur heraus: „Ich bin Christoph and i can only withsum“. Ich konnten den ersten Song halt nur mitsummen.

Dann spielten wir unser Repertoire und irgendwie hatte ich das Gefühl, nicht alle fanden uns schlecht. Es gab sogar einen, der vor der Bühne mittanzte. Aber trotzdem wurden die Zuschauer immer weniger. Anfangs noch 200 waren bald nur noch 80, dann 40 da. Na gut, davon waren die meisten unsere Freunde. Hernach erklärten wir uns das damit, dass die meisten die Bar Richtung Diskothek verließen, die nebenan im Keller befindlich war.

Aber wir spielten unbeirrt weiter und unsere Freunde spendeten uns frenetischen Applaus. Nach dem Auftritt kam Tobi zu uns, blickte sich im Raum um und sagte: „Hey, das habt ihr gut gemacht. Die meisten blieben sogar länger als üblich vor der Disko. Ich freue mich auf den zweiten Gig mit euch“.

Der zweite Auftritt lief etwa vergleichbar ab.

Leider trennten sich Angie und Rudi. Wir verloren Rudi aus den Augen und unsere steil aufsteigende Musikerkarriere kam abrupt zum Ende.

Und das war meine erste Bühnenerfahrung, Jahre bevor ich für den Poetry Slam auf die Bretter trat. Aber singen kann ich immer noch nicht. Fragt meine Ex-Frauen.

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