022 Ohrwurm ohne Worte

Bevor ihr den Song anhört, lest euch diese paar Worte durch. … Wenn ihr das wollt.

Eines abends saßen meine Freundin und ich auf der Couch, kuschelten und sahen fern. Ich nenne sie hier wieder Angelika… aus oft erwähnten Gründen. Im TV lief eine Musiksendung oder eine Doku. Zumindest lauschten wir einer Konzertaufnahme von Scooter.

Gut, die Zeiten, in denen ich mich für Techno-Musik interessierte, waren gut 20 Jahre her. Und Scooter zählte ich jetzt nicht zu den besseren Produzenten dieses Musikgenres. Was ich aber an Scooter bewunderte, war, dass sie in jeder ihrer bekannten Nummern irgendeine noch bekanntere Melodie verarbeiteten. Da waren zum Beispiel die Miss Marple Melodie oder die alte holländische Bots-Hymne „Was wollen wir trinken“.

Und nun saßen wir da und schwelgten in Erinnerungen und hörten diesen Scooter-Song. Und den fand ich toll. Zumindest die gecoverte Melodie.

Und ich kannte sie. Ich fragte Angelika. Auch sie schien die Melodie zu kennen, aber weder sie noch ich wusste, woher oder was es war. Es war eine sehr einprägsame Melodie. Und sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Und ich bin ja so gepolt, wenn ich etwas nicht weiß, was mich interessiert, mir etwas auf der Zunge liegt oder mein Hirn martert, dann will ich das wissen, herausfinden, … so schnell wie möglich.

Aber das war in diesem Fall gar nicht so einfach. Wenn mir nur der Text einfallen würde, vielleicht käme ich dann schneller auf den Titel.

Smartphone mit Internet hatte ich nicht, und auch nicht ständig Zugang zum Netz vom PC. Und selbst wenn, nach was hätte ich suchen sollen? Den Namen des Scooter-Songs hatten wir nicht mitbekommen. Außerdem wollte ich das so erinnern… Eine Frage der Ehre.

Und so summte ich mit Angelika, zusammen und abwechselnd diese kleinen Melodieschnipsel und hoffte, dass irgendwann der Funken übersprang und uns die Worte über die Lippen kamen.

Das ging so einige Wochenenden. Wir machten da ein regelrechtes Ritual daraus.

Aber der Text wollte uns einfach nicht einfallen. Und doch kam uns die Melodie immer bekannter vor. Sie klang …. abba-esque. Wenn Angelika summte, hörte ich in meinem Kopf Björn und Benny an ihren Instrumenten spielen. Das war so ABBA. Meine Freundin stimmte zu. Aber ich hatte nunmal das schwarze Gold-Album der schwedischen Musikgruppe, auf der alle ihren großen Hits vertreten waren. Aber beim Hören der CD musste ich mir eingestehen, dass keines der Lieder diese Melodie hatte. Ich verzweifelte. Vielleicht doch nicht ABBA?

Irgendwann gaben wir auf…

Eines Tages später suchte ich einen anderen Song auf Youtube. Ich glaube, es ging um Björk, eine isländische Sängerin. In den weiteren Youtube-Vorschlägen tauchte irgendwann dann ABBA auf. Da fiel mir wieder die verzweifelte Suche nach der Melodie hinter dem Scooter-Song ein und ich klickte auf den Vorschlag.

Ich saß wie elektrisiert vor dem Compterbildschirm. Das war unsere Melodie. Und Björn und Benny spielten die Instrumente. Wie damals in meinem Kopf. Ich war nun so gespannt auf den Text…. warum fiel uns der nicht ein?

Aber da kam nichts. Annafried und Agnetha begleiteten nur sphärisch die einprägsame Melodie mit einem mystischen „aaaaaaaahhhhhhhhhh“.

Es gab keinen Text. Deswegen konnten wir ihn auch nicht erinnern.

So weit ich heute weiß, eine von nur zwei Instrumental-Nummer der Schweden.

Aber ich hatte die Melodie gefunden. Ich war am Ziel angekommen. Bezeichnend, dass die Nummer Arrival heißt. Die Melodie unseres Abend-Summ-Rituals. Und sie ist immer noch toll. Und erinnert mich heute noch an diese Abende, wenn Angelika und ich zusammen lagen und summten, auch wenn wir das heute nicht mehr tun.

Der Song von Scooter heisst übrigens „Roll Baby Roll“.

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